"Die Pointen lässt Thoms im Sekundentakt zünden."

2026, Inszenierung am Theater Regensburg

Text: Selina Fillinger Regie: Antje Thoms Dramaturgie: Elena Höbarth Bühne: Jan Hendrik Neidert Kostüme: Lorena Díaz Stephens Video: Lisa Birkenbach / Paul Körber Fotos: Sylvain Guillot

Mit: Kathrin Berg, Silke Heise, Sophie Juliana Pollack, Katharina Solzbacher, Franziska Sörensen, Eileen von Hoyningen Huene, Natascha Weigang

„Warum ist sie nicht Präsident?“

Die Büroleiterin, die Pressechefin, die First Lady und die Sekretärin sind wie jeden Tag schwer damit beschäftigt, die Welt rund um den Präsidenten im Griff zu behalten. Doch ausgerechnet heute hat der Präsident seiner Frau in aller Öffentlichkeit einen hinterfotzigen Morgen attestiert, die dipolomatischen Beziehungen zu China und Bahrain, wenn nicht mit der ganzen Welt, sind aufgrund des Fauxpas in Gefahr. Zudem müssen Pressestatements, Termine zu nuklearen Sperrverträgen mit vierzig führenden Nationen, eine Gouverneurskandidatenbilligung, Händeschütteln mit zwei Veteranen und die Behandlung eines eiternden Furunkels am Gesäß des Präsidenten koordiniert werden. Aber damit nicht genug: Die ehrgeizige Investigativjournalistin Chris lässt sich partout nicht abschütteln, während die Geliebte des Präsidenten auftaucht und fröhlich ihre Schwangerschaft verkündet, was nur noch durch die im Weißen Haus mit Drogen dealende Schwester des Präsidenten getoppt wird, die auf eine präsidiale Begnadigung hofft.

Als die sieben Frauen aufeinandertreffen, ist das Chaos perfekt. Es kommt zum Handgemenge und eine Büste fliegt durch das Oval Office, trifft den Präsidenten und stellt die Gruppe vor eine fast unlösbare Aufgabe: Wie lässt sich der Tod des Präsidenten vertuschen? Wer hält die Ansprache beim Dinner für die LMAA? Und reicht es, weiterhin “dass Positive hervorzuheben”?

Fillingers turbulente, hochpolitische Komödie mit rasanten und irrwitzig eskalativen Dialogen treibt nicht nur die groteske Überforderung des Politikbetriebs auf die Spitze, sondern ist zugleich ein Angriff auf das Patriarchat mit den Mitteln der Komödie. Jetzt, wo nicht nur die USA einmal mehr männliche Dominanz demonstrieren, drängt sich dieses Werk geradezu auf: Als skurriler Gegenentwurf „für jede Frau, die sich jemals als Nebenrolle in einer männlichen Farce wiedergefunden hat.“

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