„Der HAUPTMANN VON KÖPENICK am Theater Erlangen ist brandaktuell.“

2024, Inszenierung am Theater Erlangen

Text: nach Carl Zuckmayer Regie: Antje Thoms Dramaturgie: Veronika Firmenich Ausstattung & Video: Florian Barth Musik: Jan-S. Beyer Fotos: Jochen Quast

Mit: Jan-S. Beyer, Sebastian Degenhardt, Oliver Jaksch, Ralph Jung, Mia Kaufhold, Johannes Rebers, Alissa Snagowski, Paul Wenning

“Wichtig ist gar nichts, dazu ist die Welt zu groß. Aber richtig, richtig solls zugehn.”

Der alte Theaterzauber: Eine Person zieht ein Kostüm an und wird zu jemand anderem. 1906 hat – nach einer Jahrzehnte andauernden erfolglosen Odyssee durch Behörden und Ämter – ein knapp sechzigjähriger Mann vielen Menschen vorgespielt, jemand Anderer zu sein: Der Schuhmacher und Ex-Häftling Wilhelm Voigt erwirbt in einem Gebrauchtwarenladen die Uniform eines Hauptmanns, hält auf der Straße einen Trupp Soldaten an und macht sich mit ihnen auf den Weg zum Rathaus von Köpenick. Dort verhaftet er den Bürgermeister, beschlagnahmt die Stadtkasse und schickt den Chef der örtlichen Polizei in den Urlaub.

Alles nur, um endlich einen Pass zu bekommen, um nicht ausgewiesen zu werden, um Ruhe und ein Zuhause zu finden. Und heute? Auch im einundzwanzigsten Jahrhundert müssen die Meldepapiere in Ordnung sein, braucht der Mensch eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, spielen Herkunfts-, Bildungs- und Statusfragen, Dresscodes, Kapital und Besitz eine Rolle: Denn wie der Mensch aussieht, so wird er in der Regel auch angesehen.

Die Inszenierung befreit den “Hauptmann” von militärischer Folklore und findet eine im Kern zeitlose Parabel über das Menschsein in einer streng hierarchischen Struktur, welche sich über Codes definiert, die dem Antihelden Voigt so unverständlich sind wie eine fremde Sprache.